2025, Urban & Fischer, ISBN: 978-3-437-15395-2, S. 436, Euro 54,00
Die Herausgeberin Dudeck und der Herausgeber Kaspar haben eine Vielzahl namhafter Expert:innen um sich vereint, um mit diesem praxisnahen Nachschlagewerk zur forensischen Psychiatrie und Psychologie für ein entsprechendes Niveau zu sorgen. Dabei entfernt sich das Werk mit seiner FAQ-Struktur wohltuend von den üblichen Formaten. Unterteilt wird das Buch in die Kapitel „Juristisches Basiswissen“, „Begutachtung“, „Psychische Erkrankungen: Klinik – Therapie – forensische Relevanz“, „Behandlungsformen für psychisch kranke Straftäter und Straftäterinnen“ sowie „Spezielle Themen“. Durch die Form der strukturierten Sammlung zentraler Fragen kann der Leser sich schnell orientieren und Antworten finden. Im Einzelnen wird sich aber nicht auf schematische Antworten beschränkt, sondern es werden differenzierte Erläuterungen gegeben, die durch hervorgehobene Absätze zu Infos, Merkpunkten, Definitionen, Schaubildern und Tabellen angereichert werden.
Im Einzelnen: Das erste Kapitel „Juristisches Basiswissen“ beginnt mit dem Strafrecht und seinen kriminologischen Bezügen. Sehr knapp werden Fragen zu strafprozessualen Grundlagen beantwortet, bevor sich den kriminologischen Bezügen zugewandt wird. Optimistisch wird betont, dass die Kriminologie in Deutschland fest etabliert ist (S. 15), obwohl gerade in den letzten Jahren ein steter Abbau von Lehrstühlen zu verzeichnen ist. Fragen zu den Grundlagen des strafrechtlichen Sanktionensystems werden ebenso übersichtlich beantwortet wie Fragen zur Schuldfähigkeit und Verantwortlichkeit. Sehr schmal ist wieder das Kapitel zur Vernehmungs-, Verhandlungs- und Haftfähigkeit. Hinsichtlich der Prognoseerstellung erfolgen Praxistipps für Prognosegutachten und es wird dezidiert aufgezeigt, welche Informationen benötigt werden, wie diese zu verarbeiten sind und welchen Anforderungen die eingesetzte Prognosemethode genügen muss.
Im Unterkapitel zum Zivilrecht werden Fragen zum allgemeinen materiell-rechtlichen und prozessualen Zivilrecht und im Besonderen Fragen zur Geschäfts- und Testierfähigkeit sowie zum Familien- und Deliktsrecht beantwortet. Auch dies erfolgt knapp und präzise. Spezielle Fragen zum Sozial-, Unterbringungs- und Verkehrsrecht werden abschließend erörtert, bevor sich Kapitel 2 zugewandt wird. Begutachtungsfragen werden ebenfalls gebündelt nach Strafrecht, Zivilrecht, Sozialrecht und Verkehrsrecht. Bei letzterem Unterkapitel werden Beurteilungskriterien und Leitlinien per QR-Code einfach abrufbar gemacht.
Das dritte Kapitel zu den psychischen Erkrankungen widmet sich diversen Störungsbildern und Erkrankungen,
auch hier überzeugt die komprimierte Zusammenstellung der relevanten Fragestellungen, angereichert mit Merk- und Infokästen sowie Schaubildern und Tabellen. Dieses Kapitel ist mit ca. 120 Seiten das umfangreichste des Buches und sicher das Herzstück des Kompendiums, dicht gefolgt von Kapitel 4 zu Behandlungsformen für psychisch kranke Straftäter:innen.
Begonnen wird hier mit wertvollen Informationen zu Präventionsstellen bzw. -ambulanzen, wobei ein Schaubild die Interaktionsarbeit dieser Präventionsstellen verdeutlicht. Im nächsten Unterabschnitt werden Fragen zur stationären Maßregelbehandlung beantwortet und das Beispiel eines therapeutischen Wochenplans abgebildet. Knapp folgen Auskünfte zu den forensischen Nachsorgeambulanzen sowie den Gewalt- und Sexualstraftäter:innenambulanzen. Etwas breiterer Raum wird der Sozialtherapie im Justizvollzug gewährt, bevor die Gefängnispsychiatrie in den Blick genommen wird. Ausführlicher werden dann Fragen zu Therapiemöglichkeiten psychisch kranker Straftäter:innen beantwortet und hier die Programme R&R, BPS-R, DBT-F, ForTiS, MBT sowie die Soziomileutherapie am Beispiel Safewards und Recovery und die Psychopharmakotherapie von Aggression und Paraphilien beschrieben.
Speziellen Themen wird dann in einem abschließenden Kapitel nachgegangen. Hier haben wir einen bunten Mix mit einem juristischen Thema zu Schweigepflicht und Offenbarung in der Therapie unter Zwang und weiteren Themen wie Suizidalität, Jugendliche und Heranwachsende, Frauen im Vollzug sowie transkulturelle Psychiatrie und Migration, abschließend gefolgt von der Angehörigenarbeit im Maßregelvollzug.
Die Kapitel sowie die Unterkapitel machen deutlich, dass hier ein gesamtheitlicher Ansatz gesucht wurde, um möglichst facettenreich auf alle möglichen Fragen rund um die Forensische Psychiatrie und Psychologie einzugehen. Insofern lädt dieses Buch weniger zum linearen Lesen ein, sondern versteht sich vielmehr als Nachschlagewerk für die gezielte Konsultation aber auch kritische Reflexion der eigenen fachlichen Position. Es handelt sich um ein reflektiertes und praxisnahes Werk, dass all denen empfohlen werden kann, die sich mit der praktischen Seite der Forensischen Psychiatrie und Psychologie beschäftigen. Darüber hinaus kann das Buch durch seine Hilfestellungen einen wertvollen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten und sollte als Zusatzkompendium verstanden werden, das schnelle Antworten auf Fragen zu den unterschiedlichsten Bereichen liefert. Es sollte daher seinen Platz neben den Standardwerken finden.
